Danach (Lidl), 2018
Keiner kommt raus aus diesem Haus, denn dieser Salon hat keine Tür. Der Name wurde auf Wunsch der Designer entfernt. I dream of be­coming a con­text ma­schine. (Hyper) wütty. Wütty. Der große neuen Wel­tend­raum. Two times hard ex­tended. I got some­thing for your mind, for your body and ah, fuck it: Weil sich Ninas An­kunft aus Dubai ver­zö­gert, macht Leon sich mit John einen ge­müt­lich­en Abend. Doch in­zwisch­en ist Nina ge­lan­det. ich liebe dich und möchte dich mal wieder sehen. das klingt ja wie eine ab­sage! es war eine kon­takt­auf­nahme meiner­seits. na gut. ent­schul­di­gung, ich wollte dich doch nicht über­fordern. und ent­schul­digung für die schwips-nach­richt heute nacht. und 1 kuss. Bekämpfe die innere Kälte, Du alte Scheunen­viertel Gang. And Dark­ness and De­cay and the Red Death held ill­imit­able dom­inion over all. Vielleicht bin ich auch eher eine Mutterin? Jeder macht das. Und wir auch. Man darf sich nicht im Stich lassen. Neben uns wäre noch ein dritter Platz frei, den wird ohne­hin nie­mand buchen können. I am sick of watching people, dressed in black cash­mere turtle­necks, sitting in front of their wood­chip wall­paper, discussing about feminism.
SDFRVIII, 2019
Will­kommen in der euro­päischen Stein­zeit. Unser­eins wird ja so selten umarmt. Achtung, dies ist eine amt­liche Ver­laut­barung: This is the place, where your horses run free. Twinkle, twinkle, shiny, shiny flakes. Und neben­bei, so ein­fach im Vor­über­gehen, eine nicht näher identi­fizierte, ölige Flüs­sigkeit. Kuddel­muddel, rem­mi­dem­mi. Scherz­hafte Präsenz. „Das kann man auch freund­licher sagen!“, sagte ich und schielte ver­stohlen auf ihre schlecht­sitzende Gesicht­smaske, ihr schreck­lichen plat­form shoes und die 3 Pakete Toiletten­pa­pier, die sie krampf­haft unter ihre Arme ge­klammert hatte. Dichter*innen haben das home­office nicht mehr ex­klusiv. Bitte, bitte dichte mir doch eine bessere Welt. Fighting fire with fire. Oh, ich fühle mich er­schossen wie Robert Blume und dabei dachte ich noch, dass ich nie für die Nazis gekämpft hätte. Er streichte sich durch sein rotes Haar und wichste in Deinen rot-braunen Bart. Abends verfärben sich die Ge­dan­ken dunkel und das ewige Jucken und Kratzen be­ginnt.
Babe, 2020
Bist Du eigentlich zu blöd ein Paket zu ver­senden? Dann stelle ich mich an die Wand und zähle die Tage, an denen ich keine Lust hatte meine Lippen weiter durch die trockene Hei­zungs­luft einreißen zu lassen. Das Stahltier rannte auf uns zu und ich flüsterte Dir noch ins Ohr, dass ich Deine Zukunfts­reliquie sein mag. Als aus­ge­mach­ter und aus­ge­bildeter Wirt­schafts­weise glaube ich nicht an einen er­neu­ten Wirtschafts­ein­bruch und glaube auch, dass die Schul­den­last vertretbar ist. Von einer Ver­mö­gens­ab­gabe halte ich nichts, schließlich können doch Men­schen auch einfach arbeiten gehen. Und schließlich sin­gen wir fröhlich im Chor: „We'll let the sun go down on us. We'll let the sun go down. We'll let the sun go down on us. We'll let the sun go down on you.“ Im Land der toten Füchs­innen möchte doch nie­mand einen zwei-wöchigen all-inclusive Ur­laub, mit der Be­sich­ti­gung der Big Five und einer gratis Afro Perücke,
Acedia, 2020
ver­packt in einer schwarz, gelb, grünen Geschenk­box, ver­bringen, oder H. Yaghoo­bifarah? „Nein!“ antwortet die 1991 in Kiel geborene und als nicht-binäre Person aus­ge­bildete Fusion Besucher:in „Für mich kommt in den nächten Jahren nur ein Ur­laub, auf einem geschützten Insel­resort in Frage, wie des der Vor­stands­vor­sitzende Joussen, des Reise­konzerns TUI, em­pfohlen hat. Ins­besondere Urlaubs­reisen in Länder, in denen Poli­tiker:innen Waffen aus dem Um­feld einer rechts­extremen Gruppe (Anm. d. Red.: Yaghoobifarah bezieht sich hier­bei auf einen Vor­fall um die rechts­extreme Gruppe "Nord­kreuz" und den Innen­minister Mecklem­burg-Vor­pommerns, Caffier) er­werben, halte ich, in Zei­ten des Ka­pi­ta­lis­mus, für un­an­ge­bracht.“
Jung & enthusiastisch, 2021
The com­bi­na­tion of these drugs has left her hope­less and lost. Heureka, wütty, wütty! End­lich haben wir die Lösung gegen den Wasch­zwang und die zu geringe Sonnen­ein­strah­lung in Jamel ge­funden: Ein kleines, süßes Atom­müll­end­lager mitten auf dem Platz, neben dem Dorf­gemein­schafts­haus, nur 11,6 km (oder 14 Auto­minuten) entfernt zum nächsten McDonald's in Wismar. Heureka, wütty, wütty! Freust Du Dich auch schon auf diese wunder­schöne Zeit der blühenden Land­schaf­ten? Das alles möchte ich mit Dir er­rei­chen. Das alles möchte ich mit Dir um­setzen. Du müsstest mir nur etwas Geld für die Bahn­fahrt zu meiner Mutter leihen. Um­bring­en darf sich nur, wer schon Großes er­reicht hat, anders wäre es ja Ver­schwend­ung. Schreibe ein paar schöne Lieder, male ein paar schöne Bilder, tanze ein paar schöne Tänze. Bitte sehr, hier ist Dein Frei­fahrts­schein. Kaufe drei Flaschen: Wein, Sekt, Bier (vielleicht auch mehr). Dann geht es Dir gut an dem Abend. Schreibe einfach dem Typen von letzter Woche. Dann geht es Dir gut an dem Abend. Schwip­pel, schwap­pel, trip­pel, trap­pel. Ein paar Mal auf das Glas ge­tippt, ein kleines Tänz­chen und ge­schwind steht er schon vor Deiner Tür. Jippie, yeah und juhu! You're out of this world, but you are still in your room. Dann geht es Dir gut an dem Abend. Mor­gens die Ge­dan­ken zu­sam­menkar­ren. Nadja mochte diese Zei­len auch. Kurz ab­schüt­teln und morgen wieder hinein in den schwar­zen Ge­dan­ken Pool. Tschüsschen mit Küsschen.
Zärtlichkeit ist ein hartes Brot, 2019
Entferne mich aus dem Strahlen­kranz der Aralie. Die Ent­fremd­ung vom Stamm, so kräftig mit wenigen Ästen. Die Jun­gen, die Blätter und Blüten­stände so wollig be­haart und Du fragst mich, ob es zwei oder drei Finger in Deinem Anus sind. Be­obachte kleine graue Keller­asseln, die ihrem ganz all­täg­lichen Tier­business nach­gehen. Messe noch schnell den Arm des Künstlers: Der ist ge­rade exakt so lang, dass ich mir selber auf die Schul­ter klopfen kann. Lächele, streiche über den doldigen Frucht­stand mit den fast reifen Stein­früchten, kaue ein zwei Mo­mente auf dem Eukalyptus­kau­gummi herum, ob­ohl Du mir immer davon ab­geraten hast. Male mir aus, wie es wäre ein Stück Fleisch auf Deinem Grill zu braten, bis die Küche im Blau ver­sinkt. Eng um­schlungen, über Todes­fabriken schwa­dro­nierend. Das ist meine schwarze Hei­mat: Eine Fenster­bank aus Jura­marmor in der Grund­farbe gelb. Ein Rauch­quarz, den ich vor sechs Jahren bei Ebay er­steigert habe, weil er gegen Trunken­heit hilft. Drei Steine, die ich mit Dir in der Matsch­grube am Steim­ker Berg gesammelt habe und Du mir bei jedem ver­sichert hast, dass er gegen trübe Ge­danken helfe.
Brigitte, 2021
Der ein­fache Grif­fel ist meist so lang oder ein wenig länger als Deine Staub­blätter. Die Blü­ten­hüll­blätter sind weiß, gelb­lich-weiß, hell­rosa­farben oder grünlich-weiß. Die Blüten werden in der Nacht häufig durch Motten be­stäubt. Nach der Be­stäubung wird eine rote oder orange­farbene Beere ge­bildet, die ein bis drei Samen ent­hält. Die Blü­ten­stände sind end­ständig und be­enden das Wachs­tum des je­weiligen Trie­bes, so dass jeder Trieb nur ein­mal blüht. Aller­dings sind sie nicht hapa­xanth, da sie nach der Blüte noch et­liche Jahre le­ben. Eier­li­kör trin­kend, bel­gische Meer­es­früchte ess­end und da­rauf wartend, dass Dich der Stich in den Ober­arm wieder zu dem macht, was Du früher ein­mal warst: Eine be­liebte und leicht zu pflegende Zimmer­pflanze mit dem deutschen Trivial­namen «4/0-farbig mit einem Haken­kreuz be­druckt». Das heißt Sie leben ohne Ant­worten? Ein ver­ächt­liches Jodeln. Hundert, neun­und­neunzig, neun­und­achtzig, zehn, sieben­und­zwanzig. Befreie den zer­knüllten Zettel aus meiner Hosen­tasche und ver­sichere, dass ich alles nach bestem Wissen und Ge­wissen auf­ge­listet habe. Zwischen Kisten­türmen und Dosen­burgen. Alles ein­ge­färbt in einem Pastell­sepia­glanz. Tochter von Gülle­inge, be­steige mit mir den Alt­kleider­berg, an der rohen Back­stein­wand reiben. Mit zarten Händen schöpfend im Kupfer­see. Hände­weise Ver­heißungen. Hände­weise Glücks­nieten. Die bruzelig, ölige Brat­wurst­buden­aura der Mutter des Freundes meines Vaters.
Zögern Eins, 2021
Wonnig wollige Wangen. Wir reichen uns die Hände, ver­lassen die Decken­höhle. Gerade noch recht­zeitig um die Sonne zwischen dem Ketten­karusell und der Waffel­bude zu er­haschen. Tochter von Gülle­inge, Mutter des Freundes meines Vaters mit Brat­wurst­buden­aura und Du, dunkel­hinkender Magier. Eine letzte Runde im brummenden Bärchen­wagen. Ein letzter Flug im sausenden Bienen­maschinchen. Ein letzter Ritt auf dem rasenden Pferdchen­gefährt. Glitzernde Rasier­klingen freude­jauchzend auf­fangen. Ge­spickt und tief­gefühlt liegend auf der frosch­grünen Ausleg­ware. Streckst deinen Schwanen­hals und legst deinen Kardamom­mund an mein Ohr. Messer­wolken, badend in Schweiß­laken, Schreck­ge­schwängert: Nein, dort ist nie­mand hinter dem Busch. Konnten wir den Kapi­talismus noch nicht be­siegen, weil wir in einer Demo­kratie leben? Nun beginne mit der Dreck­analyse. Dies ist ein Reise­tage­buch: Be­gonnen zu schreiben, als ich den schim­meligen Nudel­auf­lauf im, ohne­hin dreckigen, Back­ofen wieder­ent­deckte. Gleich­zeitig Ärger und Freude. Kein schlechtes Ge­wissen, nur ein schnelles her­unter spülen. Im Grunde hatte ich mir vor­genommen ab nun immer Ärger durch Freude zu er­setzen. Das musste mir ge­lingen: End­lich mal positiv Denken! Alles ver­sucht da­mit der Plan ge­lingt: Es ist ein Ros ent­sprungen / auß einer wurtzel zart / Als vns die alten sungen / auß Jesse kam die art / vnnd hat ein blüm­lein / bracht / mitten in kaltem winter wol zu der halben nacht.
bolo’bolo, 2021
Das ist deine Idee von Frische: Linke Hand am Schwanz (stolz): „Hast Du das ge­sehen? I am your best German Boy!“ Finger der rechten Hand im Nudossi­glas (stolzer): „Heute werden tüglich sechs Tonnen Nudossi pro­duziert. Dafür werden jährlich 350 Tonnen Hasel­nuss­mark aus der Türkei im­portiert. I am really your best German Boy!“ Das ist mein Aus­blick seit 91 Tagen. Lass' uns doch mal wieder über die Haltungs­probleme von weißen, homo­sexuellen, deutschen Männern während des Lock­downs sprechen: Das ist unsere Welt, wir können sie so ent­werfen wie wir möchten. An der Heeres­spitze (skan­dierend): „Handelt end­lich nicht mehr — wir brauchen keine Zu­kunft! Just come into our bed­room, with­out fear in high­speed!“ And the Angles sing­ing: „Please do not bring us an­other versatile Rad­kurier-Boy. Wir brauchen mehr Etsy-Boys! Please take us high!“ Marvyn, jetzt kann ich Dich erst so richtig ver­stehen. Marvyn, erst jetzt ver­stehe ich Dich. So richtig.
Acedia, 2021
Klopfe drei­mal auf das Holz: Das sind die Schritte Gottes im Para­dies. Wir be­stimmen unsere Ge­schwin­digkeit selbst. Wir sind fertig. Alle Frauen im Raum be­kommen ein Küsschen zum Ab­schied. Wir sind fertig. Träume vom per­fekten Lebens­lauf. Tue alles für die nächste An­ein­ander­rei­hung aus­ge­dachter Zahlen. Tue alles für die Auf­zählung großer Namen. Ganz oben 2004. Deine Zahl. Neun. Elf. Grund­rauschen. Für immer 17. Be­strafung: Ein zu enger Cock­ring, der Dich den ganzen Tag mit einem Ständer rum­laufen lässt. Hoffnung auf Er­lösung. Das ist der Druck im Wochen­inneren. Aus der Milz hoch­strömend in den Nacken, ein Stückchen weiter vor in Deine Kiefer­ge­lenke. Sanftes hin und her gleiten auf einer Bahn. Wie fühlt es sich heute an für Dich zu lie­gen? Was alles liegt von Dir am Bo­den? Eine Kau­schiene be­wahrt die Zähne vor der Selbst­zer­störung Klopfe zweimal auf das Holz: Das ist der Amazon-­Prime Bote. Samstag­abend ge­shoppt. Eine Gru­ben­lampe, shabby-­chic, fun­ktioniert ein­wand­frei. Durch­leuchten. Dein daily business. Vor­sichtiges vor- und zurückziehen. Lese alles über den richtigen Moment Deine Hand zu nehmen. Schaue alle Dating­tipps der Frau ohne Uterus. Meine Freunde sagen, ich bin rich­tig. Mache es doch einfach wie Du es vorne gemacht hast. Ganz ein­fach: Nimm die Far­ben, reihe sie an­ein­ander und schwupps hast Du den Ent­wurf, den ich Dir schon vor zwei Tagen ge­schickt habe. Aber nice try!
Acedia, 2021
Kennst Du dieses Gefühl, wenn man sich ihn im weißen Polo­shirt vor­stellt, man so denkt, dass er darin hot aus­sehen könnte und dann steht er vor Dir? Im weißen Polo­shirt. Self-ful­filling pro­phecy sagst Du. Schick­sal. Schnelle Schritte. Klopfe einmal auf das Holz: Das ist der Balz­ruf der Trauer­weide. I feel one day you might find, the lies in my tired eyes. Ich musste so an Dich denken, weil es auch so wütend und so un­ge­duldigt ist. Ich musste so an Dich denken, weil, immer wenn ich ihn ge­sehen habe, er so viel Raum ein­ge­nommen hat. Ich musste so an Dich denken, weil Du mal erzählt hast, dass ihr immer dieses eine Lied gehört habt: I Never Promised You a Rose Garden. Zeit­lupen­tempo: Du denkst an seine braunen Augen, an seine tiefen Augen­ringe, dran, dass mal je­mand sagte, dass er immer alles auf den letzten Drücker er­ledigen würde und natürlich dran, dass ich vor et­lichen Jahren nicht bei ihm ein­ziehen durfte, weil er Angst hatte mit einem Homo­sexuellen zu­sammen zu wohnen. Ich ver­suchte die Musik so laut zu drehen um es zu ver­gessen. Mariah Carey trau­rigste Frau auf dem Pla­neten. Ich wollte Dir schon lange schreiben, nun habe ich endlich einen Stift ge­funden.
© CHCA — CHRISTIAN CAMEHL, 2021